Alternative Kunst- und Kulturzentren - die kreative Umwidmung von Industriegebäuden (Teil 1)

Alternative Kunst- und Kulturzentren - die kreative Umwidmung von Industriegebäuden (Teil 1)

Entdecken Sie Brüssel von seiner alternativen und auf den ersten Blick verborgenen Seite: ehemalige Industriebauten, die als alternative Kunst- und Kulturzentren genutzt werden. Wir haben Ihnen die spannendsten Initiativen zusammengestellt, denen der perfekte Brückenschlag zwischen industrieller Vergangenheit und kreativer Gegenwart (und Zukunft!) gelungen ist.

Das Phänomen ist auch in anderen Städten mit industrieller Vergangenheit wohlbekannt: Abrissreife, ungenutzte Industriegebäude und Fabriken bieten Raum für neue alternative Initiativen. Kreative Umnutzungen, egal ob dauerhaft oder temporär, hauchen diesen Orten mit ihrer reichen Vergangenheit neues Leben ein und bieten Kunst und Kultur neuen Raum und Entfaltungsmöglichkeiten!

In Brüssel schießen diese neuen Hotspots der urbanen Kultur vor allem am Ufer des Brüsseler Kanals wie die Pilze aus dem Boden – Start-ups, Fab Labs, Kunstzentren, Vereine und Unternehmer vollziehen eine wunderbare Metamorphose und verwandeln die Industriegebäude in urbane Labore und kreative Inkubatoren, die fest in der Stadtgeschichte verankert sind.

Darüber hinaus finden hier den ganzen Sommer über kulturelle Veranstaltungen, Aperos und – sobald wieder möglich – Partys statt. Lassen Sie sich mitnehmen auf eine Entdeckungstour durch das "alternative" Brüssel.

  • See U

    See U

    Starten wir direkt mit einem der spektakulärsten Projekte - dem See U. Das ehemalige Kasernengebäude beherbergte einst die Königliche Gendarmerieschule. In ein paar Jahren wird dieses Gelände zu einem Universitätszentrum umfunktioniert. In der Zwischenzeit dient es als wunderbarer Rückzugsort für Kunst, Kultur und Kreativbranche. Sie haben die Wahl: vom Pop-up-Kino Kinograph, über das Baby-Café, Food-Truck, Bio-Markt bis hin zur Radrennbahn. Beim Sommerfestival See U (F)estival stehen zahlreiche weitere Aktivitäten auf dem Programm, z. B. Ausstellungen, Konzerte, Vintage-Flohmarkt, DJ-Sets etc.     

    Studio CityGate

    In der Nähe des Bahnhofs Gare du Midi hat das Kreativzentrum Studio CityGate in einer ehemaligen Textilfabrik in Anderlecht Quartier bezogen. Es handelt sich um ein überaus erfolgreiches Stadtentwicklungsprojekt, das auch eine soziale und kulturelle Dimension umfasst. Doch das Studio CityGate hat noch mehr zu bieten: von der Kletterwand der Petite Ile über den Skatepark Byrrrh, die Konzerte im Kulturzentrum Volta bis hin zu der riesigen Terrasse der urban Canteen Antidote. Das Antidote, das gewissermaßen das Herzstück des Komplexes bildet, wird von einem Kollektiv von Partyveranstaltern mit mediterraner Würze geführt – und das spürt man. Party alert! Ende August macht das berühmte Festival Couleur Café mit seinem kleineren Festivalformat GATE Station im Studio CityGate.

    Circle Park

    Direkt neben dem Studio CityGate hat sich der neue Circle Park auf einer imposanten Freifläche von 18 000 Quadratmetern niedergelassen. Das Gelände ist von leuchtend pinken Containern umgeben, die nicht nur bei Regen Unterschlupf bieten, sondern auch als Veranstaltungsräume für Workshops rund um die Kreislaufwirtschaft dienen. Das Kulturprogramm wird derzeit noch auf die Beine gestellt, klingt aber schon jetzt vielversprechend: Freilichttheater mit 300 Plätzen, Flohmarkt, Yoga- und Tanzkurse, Konzerte, Nachbarschaftsfeste... Neues finden Sie auf der regelmäßig aktualisierten  Facebook-Seite! Die Sportterrains stehen für eine Partie Padel oder Beachvolleyball zur Verfügung, Abkühlung verspricht die Sommerbar. Gut zu wissen: Das FLOW-Freibad von Pool is Cool ist nur ein paar hundert Meter entfernt.

    FIRM Artlab

    Das FIRM Artlab hat im April seine Pforten geöffnet. Untergebracht ist es in einer charmanten ehemaligen Leuchtenfabrik in der Gemeinde Jette, die 24 aufstrebenden Künstlern hier vorübergehend Arbeitsräume bzw. Ateliers zur Verfügung stellt. Regelmäßig kann man ihnen bei Aufführungen, Konzerten und Ausstellungen bei der Arbeit zusehen. Auch lokale Kulturvereine, z. B. Jam in Jette und Shine Prod genießen hier kreative Freiheit. Höhepunkt der Woche ist der Donnerstagabend im Innenhof. Mit Pop-up-Bar, Food Truck, Graffiti-Wand und DJ-Set sind alle Zutaten für ein gepflegtes Afterwork beisammen. Leider sind die Tage des Projekts bereits gezählt: Anfang 2022 wird das Gebäude abgerissen und durch Wohnungen ersetzt. Unser Tipp: Unbedingt noch schnell ausnutzen!

    Tour à PLomb

    Das Tour à Plomb ist einer der jüngsten Neuzugänge der florierenden Brüsseler Kulturlandschaft. Dieses „Stadtteilhaus“ der Stadt Brüssel beherbergt eine geballte Ladung (sozio-)kultureller, künstlerischer und sportlicher Aktivitäten. Der Gebäudekomplex existiert seit 1832, der charakteristische Turm wurde 1898 hinzugefügt. Anfang der 1960er-Jahre wurden hier alle industriellen Aktivitäten eingestellt, die (erst) 2018 durch eine kulturelle Nutzung ersetzt wurden. Zu tun gibt es diesen Sommer reichlich, denn im Tour à Plomb findet die erste Ausgabe der Summer Academy statt, eine Art kostenloses Sommercamp ganz im Zeichen der Kultur mit Vorträgen, kreativen Workshops, Vernissagen und anderen kulturelle Veranstaltungen.           


    (c) Georges de Kinder 

    Le Tri Postal

    Gleich neben dem Eingang des Bahnhofs Gare du Midi befindet sich das Tri Postal, das bis 1997 das größte Postsortierzentrum Belgiens beherbergte. Das gigantische Gebäude stand 20 Jahre lang leer. Inzwischen plant die belgische Eisenbahngesellschaft (SNCB), das Gebäude in Büroräume umzuwandeln. Und in der Zwischenzeit nutzt der Verein Communa die Räumlichkeiten für kreative Projekte. Bis Mitte August heißt es noch Bahn frei und Türen auf für Künstlerresidenzen und DJs! Das Sommerprogramm finden Sie auf der Facebook-Seite des Tri Postal.

    Horst

    2019 hat die internationale Plattform für avantgardistische elektronische Musik, visuelle Kunst und Architektur Horst erstmals das ehemalige ASIAT-Militärgelände vor den Toren Brüssels mit ihrem Sommerfestival in Beschlag genommen – genauer gesagt in Vilvorde. Ein Ort wie aus Raum und Zeit gefallen… zum Glück haben die Organisatoren zehn Jahre Zeit, um ihre Aktivitäten hier weiterzuentwickeln. Horst setzt auf wechselseitige Inspiration, Co-Kreation, Experimentierfreude und intensive Erfahrungen. Ein echtes In-situ-Meisterwerk wie man es wohl nur selten zu Gesicht bekommt. Die nächsten anstehenden Termine: Horst Lab (3. bis 11. Juli), Horst Exhibition (11. Juli bis 12. September) und natürlich das Horst Arts & Music Festival (10., 11. und 12. September).     


    (c) Olmo Peeters - Horst 2019