Kunstwerke im EU-Viertel

Kunstwerke im EU-Viertel

Im Brüsseler EU-Viertel befindet sich der Sitz der Europäischen Union und ihrer Institutionen. Doch inmitten dieser eindrucksvollen Bürogebäude sorgen Skulpturen, Streetart und Fragmente der Berliner Mauer für künstlerische Lichtblicke, die Einblicke in die Geschichte(n) der Straßen, Parks und Plätze bieten.

Welche Geschichten verbergen sich hinter diesen Kunstwerken? Wer sind die Künstler? Begleiten Sie uns zu vierzehn herausragenden Brüsseler Kunstwerken im EU-Viertel!

  • 1. Büste von Robert Schuman, Nat Neujean, 1964 (Parc du Cinquantenaire, Eingang gegenüber der Rue de la Loi)

    Der Franzose Robert Schuman war eine wichtige politische Persönlichkeit. Er gilt als der "Urvater" der europäischen Idee. Robert Schuman, der seit dem Ende des Ersten Weltkrieges politisch tätig war, nahm als Außenminister sehr aktiv an der Vorbereitung aller wichtigen Verträge jener Zeit teil. Die Bronzebüste Schumans, die 1976 unter Denkmalschutz gestellt wurde, fand 1987 ihren Platz am Eingang des Parc du Cinquantenaire.

    2. "Blessés mais toujours debout face à l'inconvevable", Jean-Henri Compère, 2017 (Petite rue de la Loi, entre le rond-point Schuman et l’avenue de la Joyeuse Entrée)

    « Blessés mais toujours debout face à l'inconcevable » (dt. "Verletzt, aber immer noch aufrecht, angesichts des Unbegreiflichen") so lautet der Name dieser Skulptur aus der Feder des Brüsseler Künstlers Jean-Henri Compère. Das Kunstwerk erinnert an den Terroranschlag, der am 22. März 2016, unweit des Standorts der Skulptur, auf eine U-Bahn an der Haltestelle Maelbeek verübt wurde und 17 Tote und mehr als 100 Verletzte forderte.

    3. Les Citoyens, Suzanne Boerner, 2017 (Carrefour Jean Monnet)

    1957 unterzeichneten sechs Länder in Rom den Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), dem Vorläufer der heutigen Europäischen Union. Anlässlich des 60. Jahrestages des Vertrags ließ die Vereinigung der Kaufleute des Viertels mit Unterstützung der Stadt Brüssel an der Rückseite des Berlaymont-Gebäudes 15 lebensgroße Stahlskulpturen der deutschen Künstlerin Suzanne Boerner aufstellen.

    4. Fragment der Berliner Mauer mit dem Konterfei von J. F. Kennedy, aufgestellt 2015 (Rue de la Loi, 200)

    2009 wurde der 20. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer gefeiert. Zu diesem Anlass wurden in Brüssel, am Place du Luxembourg, etwa ein Dutzend von Fragmenten dieser hoch symbolischen, ehemaligen territorialen und ideologischen Grenze aufgestellt. Nach ein paar Monaten wurde ein Teil von ihnen wieder nach Deutschland zurückgebracht - in Brüssel übriggeblieben sind drei Mauerfragmente. 2015 erwarb die Europäische Kommission den Abschnitt mit dem Konterfei des ehemaligen US-Präsidenten J. F. Kennedy. Sie ließ es restaurieren und in einer Glasstruktur auf der Berlaymont-Esplanade aufstellen.

    5. Schuman-Stele, Hardouin, 1968 (vor dem Berlaymont-Gebäude, Rue de la Loi, 200)

    Auf den vier Flächen des Felsens wurde in den Sprachen derjenigen Länder, die in den 1960er-Jahren die EWG bildeten, die zentrale Rolle Schumans bei der Schaffung des vereinten Europas eingemeißelt.

    6. Les Égéries, René Julien, 1996-1998 (Rue de la Loi, 170)

    Das Kunstwerk "Les Égéries" (dt. "Die Musen") stellt acht weibliche Figuren dar, die die Leidenschaft des Bildhauers René Julien für die menschliche Anatomie widerspiegeln. Die Botschaft? Leichtigkeit, Jugendlichkeit und Sorglosigkeit als Eigenschaften, die manchmal auch ein wichtiger Teil des europäischen Projekts sind.

    7. The Future is Europe, NovaDead, 2017 (Rue de la Loi, 103)

    Die im EU-Viertel tätige Immobiliengesellschaft Atenor hat an einer der Brüsseler Hauptverkehrsadern eine 530 m² messende Giebelfläche zur freien künstlerischen Gestaltung bereitgestellt. Die Wahl fiel auf den Graffiti-Künstler NovaDead. Zum Motiv: Symbolisch steht der Vogel für Frieden und Freiheit, während Gelb und Blau die Farben der europäischen Flagge aufgreifen.

    8. Stepping Forward, Hanneke Beaumont, 2007 (Rue de la Loi, 145)

    Der Rat der Europäischen Union, der im so genannten "Justus Lipsius"-Gebäude seinen Sitz hat, heißt Besucher mit einer imposanten Bronzeskulptur eines Mannes willkommen, der "einen Schritt nach vorne macht". Der aus den Niederlanden stammende Künstler ergänzt sein Werk um eine neue Dimension: die Suche nach einem Gleichgewicht, denn Europa ist eine noch junge Institution auf der Suche nach Stabilität...

    9. Europe en avant, Léon de Pas, 1997 (rue de la Loi, 175)

    Der Name unseres Kontinents geht bekanntlich auf die griechische Mythologie zurück: Europa ist eine von Zeus entführte Prinzessin. Zeus nahm die Gestalt eines Stiers an, um unbemerkt seine Missetat vollbringen zu können. Der Gott der Götter wird ihr sogar ein Kind anhängen... Dieses Thema wurde innerhalb der Geschichte der Kunst immer wieder aufgegriffen. Die Skulptur von Léon de Pas zum Gedenken an den 40. Jahrestag der Gründung der EWG, besteht aus einem mit Bronzeplatten bedeckten Skelett aus Kupfer- und Stahlrohren.

    10. Einheit in Frieden, Bernard Romain, 2003 (Square van Maerlant)

    Dieses Kunstwerk ist das Ergebnis einer Gemeinschaftsarbeit, die unter der Leitung eines französischen Bildhauers mit Hilfe von sehbehinderten Kindern aus verschiedenen Ländern entstand. Die Symbolik ist ganz offensichtlich, denn im Jahr 2003 standen zwei große Themen im Mittelpunkt: Menschen mit Behinderungen und die Osterweiterung der Europäischen Union. Die bunten Arme stehen für ein geeintes Europa, gekrönt von dem Friedenssymbol  schlechthin: der Taube.
    Das Werk misst mehr als 5 Meter und wiegt 800 kg.

    11. Ariadne, Jean-Paul Laenen, 1991 (Passerelle Rue Belliard)

    Der Künstler hat zwei Ariadne-Statuen aufgestellt, die ihren Faden über eine Brücke spannen. In der griechischen Mythologie ist es der Faden der Ariadne, der dem Helden Theseus die Flucht aus dem Labyrinth ermöglicht. Der Ariadnefaden gilt seitdem als eine Art Wegweiser, dem man vertrauensvoll folgen kann. Auch Europa, als relativ junges Gebilde, ist stets auf der Suche nach sich selbst und setzt dabei alles daran, keine Irrwege einzuschlagen.

    12. Berliner Mauer, Weltrekord 100 m, 1994 (Rue Wiertz, neben dem Plenarsaal)

    Dieser Mauerabschitt erinnert an ein internationales Ereignis, das erst nach dem Fall der Mauer stattfand: Es handelt sich um ein Graffiti, das die Zeit des 100-Meter-Weltrekords darstellt, der 1994 in der Schweiz von einem amerikanischen Athleten aufgestellt wurde.

    13. Europa, May Claerhout, 1993 (Espace Léopold, Rue Wiertz)

    Diese Bronzestatue ziert die Rückseite des Europäischen Parlaments. Sie zeigt einmal mehr die Prinzessin Europa, gestützt und getragen von Körpern und Armen, die die verschiedenen Länder der Europäischen Union symbolisieren. Europa trägt ein €-Symbol, inspiriert von dem griechischen Buchstaben Epsilon, aus dem das E hervorging.

    14. Riesengemälde, Guillaume Bottazzi, 2017 (Place Jourdan)

    Bottazzi ist ein Künstler, der das Überdimensionale liebt. Das Gemälde am Place Jourdan, das 16 Meter hoch und 7 Meter breit ist, wurde in der Art der alten Maler ausgeführt. Das Jahr 2017 war angesichts der terroristischen Anschläge im März 2016, gefolgt von dem Brexit-Referendum, ein wenig düster. Mit seiner Arbeit wollte der Künstler "Räume des Vergnügens" erschaffen, wie er es selbst in Worte fasste.